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›Ich brauch doch nur was ganz einfaches‹

Falsche Erwartungen an dein Design-Projekt.

Bei Anfragen für Design-Projekte begegnet mir von meinen KundInnen manchmal dieser Satz: ›Ich brauch nur was ganz einfaches.‹.
Und früher bin ich tatsächlich oft ein bisschen auf diese Einstellung ›hereingefallen‹. Ich habe selbst gedacht, na klar der oder die Kundin braucht verständlicherweise ›nur‹ was ganz einfaches. Schauen wir doch mal, wie wir das hinkriegen :-)

Und der Wunsch nach einer einfachen Lösung ist absolut verständlich und legitim. Aber das kleine Wörtchen ›nur‹, das da oft mitschwingt, kann man in den allermeisten Fällen nicht einfach so stehenlassen.

Ich brauch doch nur was ganz einfaches.

Hallo, ich bin Annika, selbstständige Designerin und ich unterstütze Selbstständige und smarte UnternehmerInnen dabei, sich online und offline sichtbar zu machen. Nachhaltig und ohne nerviges Werbegetrommel.
In meinem Blog findest du nützliches Wissen zu Design-Themen und zur Zusammenarbeit.

Designerin für Selbstständige, zum Beispiel für dein Corporate Design

Nur weil ein Ergebnis einfach aussieht, ist der Weg dahin nicht automatisch simpel.

Der Satz ›Ich brauch doch nur was ganz einfaches...‹ begegnet mir bei ganz unterschiedlichen Projektanfragen. Aber was bei allen Projekten gemeinsam ist, ist der Umstand, dass ich besonders aufmerksam werde, wenn ich den Satz oder Varianten davon höre. Bei mir gehen sozusagen innerlich die Alarmglocken an. Denn hinter dem Satz stecken manchmal überhöhte Erwartungen (groteskerweise) oder falsche Vorstellungen zum Designprozess. Manchmal geht es auch schlicht um die finanzielle Sparsamkeit, weil es eben einfach = günstig sein soll.

Meinen KundInnen ist aber meist nicht bewusst, was an dem Satz oder an den damit verbundenen Erwartungen problematisch ist.

Vier Beispiele,
warum die Erwartung nach einem einfachen Weg
meist nicht erfüllbar oder nicht sinnvoll ist.

1. Je einfacher das sichtbare Ergebnis, desto aufwendiger der Prozess.

Diese Aussage ist schon fast ein Klassiker im Design.

Nehmen wir als Beispiel eine Logo-Entwicklung.
Je einfacher das Endergebnis (also das Logo) sein soll, desto schwieriger ist es meist, dorthin zu kommen. Denn bei aller Einfachheit soll ein Logo bestimmte Werte transportieren und Assoziationen wecken. Es soll einfach und einprägsam sein aber gleichzeitig nicht beliebig. Das ist wohl die schwierigste Aufgabe überhaupt.
Man muss überhaupt erst einmal eine Lösung finden, die sich einfach visualisieren lässt. Und man muss immer wieder Details wegkürzen, ohne dass der Charakter des Designs wieder verloren geht.
Der Weg zum fertigen Ergebnis ist also überhaupt nicht einfach.

Das ist meinen KundInnen aber nicht bewusst, weil der Prozess für sie unsichtbar ist.
Am Ende steht nur ein reduziertes Zeichen, das man in kürzester Zeit nachzeichnen kann – oder mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann, wie es ein bekannter Grafikdesigner* mal so schön ausdrückte.

* Zitat von Kurt Weidemann: ›Ein Logo ist dann gut, wenn man es mit dem großen Zeh in den Sand kratzen kann.‹

Je einfacher das sichtbare Ergebnis, desto aufwendiger der Prozess.

Der Trugschluss dabei: Das kann ja eigentlich im Prozess nicht so lange dauern, weil das Ergebnis doch so simpel aussieht.

Auch ein Profi zeichnet nicht in fünf Minuten ein Logo.

Aus diesem Grund habe ich übrigens auch in den letzten Jahren immer wieder meine Preise für die Logo-Entwicklung erhöhen müssen. Einfach weil ich voll hinter diesem Anspruch an ein gelungenes Logo stehe und es hinter den Kulissen immer länger dauert als man denkt.

2. Im Prozess merkt man, dass man mehr braucht.

Manchmal möchten sich KundInnen verständlicherweise auf eine möglichst überschaubare, kleine Lösung konzentrieren.

Bei einer Website zum Beispiel steht vor Projektbeginn oft der Wunsch:
Es soll bloß nicht aufwendig sondern ganz einfach gehalten sein – und nicht viel Mühe machen. Eigentlich sehr löblich, sich zu beschränken. Gerade bei der Umsetzung einer Website kann es ja sonst auch schon mal ausufern.

Aber dann kommt der inhaltliche Prozess und KundInnen merken auf einmal durch die inhaltliche Auseinandersetzung, dass sie doch mehr brauchen – und vor allem mehr wollen. Denn sie haben sich vorher noch gar nicht richtig mit ihrer Website beschäftigt und nicht genauer darüber nachgedacht, was sinnvoll ist. Wie auch. Das wäre ja so, als ob man den Prozess schon vorwegnehmen würde.

Sobald sie dann anfangen, Struktur und Inhalte zu entwickeln, wird ihnen plötzlich bewusst, dass es doch nicht ganz so einfach und minimal sein soll. Sie stellen fest, dass mehr Umfang sinnvoll ist und dass sie ihren Website-Besuchern mehr anbieten möchten. Ihnen fallen auf einmal ganz viele Bestandteile und Inhalte ein, an die sie vorher noch gar nicht gedacht hatten.
Und es macht ihnen oft sogar Spaß, mehr aus dem Projekt herauszuholen.
Das ist toll aber gleichzeitig keine gute Ausgangssituation, wenn das Projekt von vorneherein nur auf eine möglichst simple Minimallösung dimensioniert wurde.

Zusammenarbeiten für eine Minimallösung lohnt sich nicht.

Mittlerweile biete ich keine Minimal-Lösungen für Websites (Onepager oder Web-Visitenkarten) mehr an, selbst wenn KundInnen das bei Anfragen als Wunsch kommunizieren. Der Rahmenaufbau einer Website sollte genügend Substanz und Spielraum bieten, um damit mehr machen zu können. Selbst wenn Umfang und Inhalte am Anfang noch überschaubar sind, sollte eine Website einen gewissen Mehrwert für Besucher mitbringen.
Wenn man nur die Minimallösung möchte, kann man sich den Aufwand einer Zusammenarbeit mit einer professionellen Webdesignerin gleich sparen, um ehrlich zu sein.

Wenn du unsicher bist, ob sich für deine Website die Zusammenarbeit mit einem Webdesigner lohnt, lies auch:
›Was kostet eine Website? Und welches Angebot ist geeignet für dich‹

3. Die eigenen Ansprüche wachsen mit dem Prozess.

Sobald es im Design-Prozess sichtbare Zwischenergebnisse gibt, werden manche meiner Kundinnen aktiver als vorher gedacht.
Wo vorher noch eine passive Einstellung da war, wird meinen KundInnen auf einmal klar, dass sie ja jetzt doch aktiv Einfluss nehmen können. Sie werden plötzlich sehr emsig darin, sich Änderungen und Ergänzungen zu wünschen, obwohl sie zu Projektbeginn versichert haben: ›ich brauch ja nur was einfaches, das mir die Designerin schnell anfertigen soll‹.

Was aus Kundensicht nachvollziehbar ist, war für mich früher oft irritierend. Schließlich hatten die KundInnen doch am Anfang überzeugt kommuniziert, dass sie eigentlich nur was einfaches brauchen, das ich für sie anfertigen soll. Pragmatisch, unkompliziert und keine große Sache.

Je einfacher das sichtbare Ergebnis, desto aufwendiger der Prozess.

Und plötzlich ist man doch in einem aufwendigeren Design-Prozess gelandet, der so gar nicht geplant war und der zusätzlich Zeit und Geld kostet.

Ein halber Prozess führt nicht zum fertigen Ergebnis.

Darum biete ich mittlerweile keine Vorstufen zu Logos oder ›einfache‹ Schriftzüge mehr an und mache in der Regel auch keine Reinzeichnungen von Kundenentwürfen.
Denn fast immer wird aus dem eigentlich kleinen Design-Projekt doch mehr, sobald man erstmal richtig angefangen hat.

4. Versteckte Aufgaben lassen sich nicht zugunsten einer ›einfachen‹ Lösung wegkürzen.

Meine KundInnen haben meist noch nicht besonders oft ein Logo oder eine Website entwickelt. Meistens noch nie.
Sie wissen nicht, was im Hintergrund alles stattfindet. Und das ist ganz verständlich. Und ehrlich gesagt ist das auch nicht gerade ein Thema, mit dem ich Interessenten gern in seiner Gesamtheit konfrontiere. Denn das kann auch schnell überfordernd wirken.

Ein gutes Beispiel sind Einrichtung von Domain und Webhosting bei einer neuen Website.
Eine recht normale Aufgabe in einem Website-Projekt.
Viele meiner KundInnen haben so etwas noch nicht oder wissen gar nicht, was das Webhosting eigentlich ist und wozu das gut ist. Oder sie haben irgendwo einen alten Vertrag bei einem Hosting-Anbieter, den sie erst aus irgendwelchen Aktenordnern hervorkramen müssen. Gehts dir auch so? Dann keine Sorge, du bist nicht allein.
Aber in der Zusammenarbeit müssen Zugangsdaten herausgesucht und bereitgestellt werden, und jemand (ich) muss die Website auf dem Webserver einrichten, SSL-Zertifikate verknüpfen, Weiterleitungen einstellen, ggfls. eine Datenbank anlegen, ein Analysetool installieren, die Website in der Google Search Konsole anmelden und vieles mehr.

Etwas Technikkram gehört meist dazu.

Wenn du den Technikkram gerade fragwürdig findest und wissen willst, was im Hintergrund alles bei einer Website berücksichtigt werden muss, lies auch meinen Artikel ›Die versteckten Aufgaben deiner Website-Entwicklung‹.

Was ich mit diesem Beispiel sagen will:
Bei einer Website gibt es viele Entscheidungen und kleine Todos im Hintergrund, die man nicht weglassen kann. Man kann sie natürlich dem Dienstleister überlassen – also zum Beispiel mir als Designerin für Business-Websites. Kein Problem, ich arbeite mich gemeinsam mit dir durch all diese kleinen Entscheidungen und Aufgaben. Aber auch ich brauche dafür Zeit.

Was nicht kürzbar ist, muss erledigt werden.

Darum gibt es bei mir auch keine Website-Umsetzung unter einer bestimmten Stundenzahl.
25, 36 oder 40 Stunden kommt dir viel vor? So viel bei einer ›einfachen‹ Website?
Glaub mir, das ist wenig, wenn du ganz ehrlich alle Aufgaben im Hintergrund einbeziehst und dir klar machst, dass du am Ende eine ›fertige‹ Website mit einem auf dich zugeschnittenen Design für deine Selbstständigkeit bzw. dein Unternehmen online hast. Und vergleiche die investierte Zeit mal mit der Zeit, die du brauchen würdest, wenn du dich damit komplett allein herumschlagen müsstest.

Unrealistische Erwartungen sind normal.

Jetz hab ich viel darüber gesprochen, dass meine KundInnen in der Zusammenarbeit Erwartungen an mich herantragen, die eben nicht so einfach sind wie gedacht oder die ich leider nicht ›einfach so‹ erfüllen kann. Und vielleicht hast du dich auch ertappt gefühlt, weil du bisher eine ähnliche Einstellung zu deinem Design-Projekt hast. Auch weil du nicht möchtest, dass dein Projekt komplett finanziell und zeitlich ausartet.

Das ist ganz normal. Du bist keine Fachperson. Du kannst nicht wissen, was im Hintergrund alles dazugehört. Du musst nicht im Voraus alle Aufgaben im Hintergrund kennen und du musst dein Design-Projekt vorab nicht perfekt einschätzen können. Und auch ich kann nicht zu Beginn perfekt voraussehen, wie sich der Prozess der Zusammenarbeit entwickelt.
Aber ich kann dafür sorgen, dass wir nicht in die Falle tappen, nur was ›ganz einfaches‹ anzuvisieren, wo doch eigentlich Wertschöpfung stattfinden sollte!

Es ist meine Aufgabe, falsche Erwartungen zu identifizieren.

Es ist meine Aufgabe als Designerin, falsche Erwartungen zu bremsen oder in sinnvolle Bahnen zu lenken. Möglicherweise erscheint dir die Zusammenarbeit dann auf den ersten Blick nicht ganz so ›gemütlich‹, wie du dir das vorgestellt hast. Aber die Zusammenarbeit wird letztendlich wirtschaftlicher und realistischer – und die Ergebnisse werden besser.
Und wenn in deinem Kopf auch der Wunsch ist, ›ich brauch doch nur was ganz einfaches‹, hinterfrag ruhig mal, warum es einfach sein soll und was eigentlich dahinter stecken könnte. Sprich diesen Wunsch auch unbedingt offen an, wenn du bei einem Dienstleister für dein Projekt anfragst.

Eigentlich geht es bei Design um Wertschöpfung.

Auch wenn wir einen kompakten, einfachen Prozess anstreben, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit mit einer Designerin immer wertschöpfend für deine Selbstständigkeit. Da geht es nicht darum, ›nur‹ was ganz einfaches zu haben, das irgendwie da ist und oberflächlich seinen Zweck erfüllt. Vielmehr geht es um ein zielgerichtetes Ergebnis, das dir und deinem Business nachhaltig nützt und zu dir und deiner Selbstständigkeit passt.

Wenn du dein Design-Projekt in die Tat umsetzen willst und dafür noch nach professioneller Unterstützung suchst, schau dir meine Design-Pakete an:

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