Was mich beschäftigt

Warum scheitert die eigene Website?

Misserfolg trotz bester Absichten

Heute möchte ich mal über das Scheitern reden. Denn obwohl sich hartnäckig die Ansicht hält, dass man nicht scheitern darf und dass Scheitern mit Misserfolg und Scham verknüpft ist, wird überall andauernd gescheitert. Manchmal nur klein und vorübergehend, manchmal groß und endgültig. Man redet nur nicht so gerne darüber. Auch bei meiner Arbeit begegnet mir das Scheitern. Ich selbst scheitere manchmal an bestimmten Erwartungen, Verpflichtungen und besonders gerne an selbstgesteckten Zielen – dazu wird es sicher auch noch einen eigenen Artikel geben. Aber auch meine Kunden scheitern. Ein besonders gutes Beispiel dafür ist die Entwicklung der eigenen Website.

Hallo, ich bin Annika Gandelheid, selbstständige Designerin und ich unterstütze Existenzgründer, Selbstständige und kleine Unternehmen dabei, sich professionell und authentisch sichtbar zu machen.
Hier schreibe ich über meine Arbeit und teile auch persönliche Erlebnisse, Missgeschicke und Lernerfahrungen mit anderen Selbstständigen.

Scheitern im Vorfeld

Im Idealfall kommen Kunden zu mir, weil sie in der Vergangenheit sozusagen bereits gescheitert sind. Ihre bisherige Website ist veraltet und vernachlässigt, ein sich über die Jahre langsam ausbreitender Schandfleck ihrer Selbstständigkeit – um es mal etwas überzogen auszudrücken. Dieses Scheitern ist eine wunderbare Ausgangssituation für die Zusammenarbeit, nämlich, um daraus eine Erfolgsgeschichte zu machen: Ergebnis ist eine neue, moderne Website, die zum eigenen Unternehmen passt, gut aussieht und den Besuchern Mehrwert bietet. Wenn der Kunde sich im Anschluss auch noch motivieren kann, die Website weiterhin am Leben zu halten, damit im Laufe der Jahre kein neuer Schandfleck daraus wird, kann man gemeinsam aufatmen und hat ein gutes Gefühl, nachhaltig etwas verbessert und etwas Sinnvolles beigetragen zu haben.

Scheitern in der Zusammenarbeit

Aber es gibt auch den anderen Fall. Kunden kommen zu mir, weil sie eine neue Website brauchen. Sie sind motiviert, sie investieren Geld in das Projekt und sind vielleicht auch selbst davon überzeugt, dass sie die neue Website jetzt endlich wollen. Nur ist der Projektverlauf manchmal ab einem gewissen Punkt gar nicht mehr so motiviert sondern gerät ins Stocken oder schläft praktisch ganz ein. Der Supergau! Es sei erwähnt, dass ich mich immer nach Kräften bemühe, Kunden auf dem aktuellen Stand zu halten und ihnen ordentlich mitzuteilen, was jetzt notwendig ist, damit es vorwärts geht und damit die Website fertig wird. Was dann aber trotzdem manchmal nicht stattfindet, ist die aktive Beteiligung des Kunden. Die Rückmeldung bleibt aus, es passiert einfach nichts mehr. Das ist oft auch der Punkt im Projekt, an dem ich schlichtweg auf die Beteiligung des Kunden angewiesen bin und diesen Mangel nicht ausgleichen kann.

Je länger ein Projekt dauert, desto unwahrscheinlicher wird dessen Fertigstellung.

Je länger dieser Zustand dauert, desto mehr scheint die Verbindung zum eigentlich angestebten Ziel, nämlich der fertigen Website, abzubrechen. Das Projekt fühlt sich auf beiden Seiten auf einmal schon wie ein Misserfolg an, obwohl es einfach nur noch nicht fertig ist. Im Kopf wird die Hürde, sich doch noch aktiv mit der Website und den offenen Fragen auseinanderzusetzen, also immer größer.
Ja, ich weiß, das ist auch meine Schuld, weil ich es nicht immer schaffe, meine Kunden zu aktivieren und abzuholen und sie zu motivieren, ihren Teil beizutragen. Andererseits müssen meine meist selbstständigen Kunden in ihrem normalen Arbeitsalltag ja auch aus eigener Motivation heraus funktionieren. Warum sollte ich als Designerin also die Rolle eines ›Motivators‹ übernehmen müssen? Ich wurde beauftragt und gehe davon aus, dass mein Kunde selbst aktiv daran interessiert ist, seine Website fertigzustellen. Denn er investiert Geld und Zeit und hat letztendlich nur einen Nutzen von einer fertigen Website, die auch von Besuchern gefunden wird.

Was sind die Punkte, die das Scheitern einer Website verursachen?

Da dieser Zustand für beide Seiten unbefriedigend ist, mache ich mir Gedanken darüber, was ich aktiv dafür tun kann, dass es meinen Kunden leichter fällt, bis zum Ende durchzuhalten und wo die Gründe für das Scheitern liegen.

1. Überforderung

Überforderung ist nach meiner Erfahrung einer der Hauptgründe, der aber oft hervorragend getarnt ist. Zu Beginn der Zusammenarbeit wirken Kunden meist recht souverän und zielgerichtet, für mich also kein Grund, Verdacht zu schöpfen. Aber im Tagesgeschäft hat der Kunde meistens mit völlig anderen Aufgaben zu tun, ihm fehlen schlicht Erfahrungswerte und die Auseinandersetzung mit der eigenen Website fühlt sich dann doch irgendwie fremd und sperrig an.
Überforderung ist an sich völlig ok und normal, nur wird sie von Kunden zu selten richtig wahrgenommen und offen zurückgemeldet.

2. Kein Wille zur Auseinandersetzung

Manchmal fehlt schlichtweg auch ein bisschen der Wille, sich selbst mit seinen eigenen Inhalten zu beschäftigen. Die Übergänge zwischen Überforderung und fehlendem Willen sind wohl fließend.

3. Fehlende Grundlagen, fehlende Zielrichtung

Relativ häufig hat sich der Kunde zuvor noch nicht besonders aktiv mit den grundlegenden Fragen seines Business beschäftigt: Was biete ich eigentlich an? Wer ist meine Zielgruppe? Wie sind meine liebsten Wunschkunden? Wie möchte ich wahrgenommen werden? Was möchte ich Besuchern eigentlich an Informationen auf der Website bieten? In der Realität ist die Entwicklung der Website oft der erste Anlass, endlich mal bewusst solche Fragen zu stellen. Da fällt es natürlich manchmal schwer, auf einen Schlag Antworten zu erarbeiten.

4. Passive Rolle und falsche Erwartungen

Mit der Beauftragung einer Designerin hat man als Kunde ja eigentlich schon genug getan, man investiert in einen Dienstleister, der sich damit auskennt. Man selbst will damit möglichst nichts mehr zu tun haben und hat verständlichweise genug andere Dinge im Kopf. Diese Erwartung ist in Ordnung, solange es um Design und technische Umsetzung geht. Aber bei Inhalten und Strategie reicht das reine ›Outsourcen‹ leider nicht.
Manche Werbung suggeriert, dass man sich nur eine simple Baukasten-Website (bei einem beliebigen Anbieter) buchen muss und schon hat man mit wenigen Klicks eine toll gestaltete Website mit großartigen Fotos und Texten. Klick und fertig. Wo hier aber die passende Strategie, die informativen Texte und die qualitativ ansprechenden Fotos herkommen sollen, darauf wird nicht eingegangen. Ein einfacher Klick reicht in der Realität eben leider doch nicht.

5. Keine Zeit

Ja, das eigene Tagesgeschäft, Kunden und Produkte sind am dringendsten. Und gerade viele kleine Betriebe und Solopreneure haben einfach wenig oder keine Zeit, weil sie alles oder vieles selbst erledigen müssen. Die entstehende Website wird oft insgeheim als Bonus oder schlimmstenfalls als notwendiges Übel betrachtet, für das im Alltag einfach keine Zeit bewusst eingeplant wird. Wenn zwischen Tür und Angel noch schnell drübergeschaut werden kann, müsste das doch eigentlich auch reichen, oder?
Als Selbstständige habe ich großes Verständnis für Zeitmangel, ich kenne das aus eigener Erfahrung. Aber Zeitmangel sollte nicht zur Dauerausrede werden oder gar dazu führen, dass eine Website nie fertig wird.

Was sind die Gegenmaßnahmen?

So, nun schluckt der eine oder andere vielleicht schon, fühlt sich angesprochen, ertappt – oder findet, dass ich hier etwas übertreibe oder schlichtweg meinen Job besser machen soll. Da ist vermutlich etwas dran.
Mir geht es hier nicht darum, das Verhalten meiner Kunden anzuprangern und alle Schuld von mir zu weisen. Ich möchte es verstehen und dann schauen, was wir besser machen können. Denn, wenn mein Kunde scheitert, scheitere ich auch. Also was können wir tun, damit sich die Zusammenarbeit vor allem erfolgreicher und angenehmer anfühlt?

1. Herausforderungen bewusst machen

Mittlerweile versuche ich, direkt vor oder bei Projektbeginn Kunden für die Herausforderungen und kleinen Hürden zu sensibilisieren. Denn, wer die Stolperfallen schon vorab kennt, fällt nicht mehr in jede hinein.

2. Prozess transparent machen

Der Projektablauf wird möglichst verständlich gemacht, der Weg zum Ziel ist für den Kunden weniger abstrakt und er kann selbst die Schritte nachvollziehen und mitgehen. So ensteht nicht mehr das Gefühl, dass der Designer da irgendwas macht und ich als Kunde davon nichts weiß.

3. Hilfen geben und den Kunden aktiv werden lassen

Kunden bekommen im Projektverlauf mehrere Dokumente, angefangen mit einem Fragebogen mit strategischen Fragen zu Zielen und zur Ausrichtung. Es folgen Ideen und Hilfen zu Inhalten, damit es dem Kunde leichter fällt, Inhalte mitzuentwickeln. Gleichzeitig bekommen Kunden möglichst zeitig im Projekt Zugang zum Redaktionssystem der Website und ich gebe Hilfestellung zum Umgang damit. Im Anschluss helfe ich dann nach Bedarf bei der Feinarbeit an den Inhalten.

4. Die Website in jedem Fall übergeben

Auch wenn der Kunde es nicht schafft, alle offenen Punkte gemeinsam in der Zusammenarbeit zu bewältigen, übergebe ich die bis dahin fertige Website. Diese liegt dann im Idealfall auf dem Webserver des Kunden und er kann selbst mit Hilfe des Redaktionssystems (Wordpress) weiter daran arbeiten. So steht am Ende des Projektes auf jeden Fall ein nutzbares Produkt. Der Kunde kann die Verantwortung für sich annehmen und den letzten Schritt selbst tun – oder eben nicht.

5. Perspektiven nach Projektende schaffen

Zu den Themen ›Content Marketing‹, Weiterentwicklung und Suchmaschinenoptimierung gebe ich spätestens bei Projektabschluss nützliche Tipps und weitere Quellen an. Denn auch nach Liveschaltung der Website sollte die Entwicklung im Idealfall immer schrittchenweise weitergehen. Egal, ob das nun über wachsenden ›Content‹, soziale Kanäle, das persönliche Netzwerk oder über die Suchmaschinenoptimierung geschieht.

Ist die Website-Entwicklung eigentlich immer beschwerlich?

Glücklicherweise lautet die Antwort ›Nein‹.
Auch wenn die Entwicklung einer eigenen Website hier etwas beschwerlich klingt, bedeutet das nicht, dass alle Projekte so laufen (müssen). Die Zusammenarbeit und die Ausgangsituation meiner Kunden ist zwar meist immer noch individuell sehr verschieden, aber es werden nicht alle Stolperfallen mitgenommen und es läuft mehr oder weniger rund, so dass nach einer angemessenen Zeitspanne eine neue fertige Website als gelungenes Ergebnis herauskommt.
Gleichzeitig ist die technische Entwicklung mittlerweile viel einfacher geworden, so dass man sich bewusst auf Design und gute Inhalte konzentrieren kann. Eigentlich großartige Bedingungen, um sich um die wirklich wichtigen Themen kümmern zu können. Das kann und soll Spaß machen und das Ergebnis bietet nicht nur für die Website-Besucher ein Mehrwert sondern pusht im Idealfall auch das eigene Selbstverständnis. Denn die Website, mit der ich mich identifizieren kann und an der ich selbst aktiv mitgewirkt habe, kann ich auch positiv und mit einem guten Gefühl nach außen präsentieren.

Falls dieser Artikel dazu beigetragen hat, dass du manche Stolperfallen jetzt besser erkennst und du deine Website jetzt trotzdem – oder gerade deswegen – aktiv angehen möchtest, lass uns starten.

Mehr Artikel zu meiner Arbeit und Wissenswertes für andere Selbstständige und Kunden:

Zur Übersicht